Männergesangverein 1856 e.V. Ludwigshafen-Mundenheim

Sagenumwoben, geheimnisvoll, mystisch – das sind Attribute, mit denen die Burg Berwartstein im pfälzischen Wasgau oberhalb von Erlenbach beschrieben wird. Dabei ist sie gar nicht so rätselhaft, wie es den Anschein hat, denn als einzige pfälzische Burg ist sie nicht nur von ihren Besitzern, einer südpfälzischen Familie, seit 60 Jahren bewohnt, sondern auch noch bewirtschaftet und keineswegs eine halbverfallene Ruine wie die meisten der mehr als hundert anderen steinernen Zeugnisse mittelalterlicher Wehrhaftigkeit in der Pfalz.

Die Burg Berwartstein - Blick zur Terrrasse

Der Berwartstein mit seinen typischen Buckelquadern mit Zangenlöchern könnte das Urbild für ein Burgenmodell aus Lego-Bausteinen sein, denn seine Mauern, Zinnen und Türme in exponierter Lage auf einem mächtigen Fels aus Buntsandstein lassen ihn zu einem einzigartigen optischen Zeugnis des Mittelalters in der Pfalz werden. Und ist man als Besucher mal ganz oben, hat man einen märchenhaften Fernblick über den gesamten Wasgau. Burgbesucher haben es einfach, denn sie können mit ihren Autos fast ans Burgtor fahren oder zumindest kurz unterhalb parken.

Weil noch viele baulichen Elemente total erhalten sind, kann man bei einer Führung durch die Burg Waffen- und Folterkammer, Kemenate, Küche, den 104 Meter tiefen Brunnen und vor allem den historischen Rittersaal besichtigen – er hat 160 Plätze und dient heute als urige Burggaststätte. Doch noch interessanter sind die im Untergrund verborgenen Räume – schmale Gänge und höhlenartige Ausbuchtungen im Sandstein, die im wabernden Kerzen- und Fackelschein bei Führungen für wohlige Schauder sorgen. Beim Gang durch die Burg sieht man auch Katapulte und Geschütze, zahlreiche Repliken von mittelalterlichen Geräten und viele Utensilien des damaligen Alltags.

Die Burg Berwartstein - Barbarossaturm

Dabei ist der Verursacher vieler Sagen und Legenden längst tot: Der einstige Burgherr Hans von Trotha (1450-1503) war ein wahrer Tunichtgut und lebt in der Region als „Kinderschreck Hans Trapp“ weiter. Der ehemalige Marschall und Heerführer der Kurpfalz, der von Kurfürst Phlipp dem Aufrichtigen im Jahr 1480 den Berwartstein als Lehen erhielt, baute die Burg zu einer uneinnehmbaren Festung aus und schuf damit einen Mythos. Und hatte als eine Art Raubritter bald mit Gott und der Welt handfeste Händel, die so weit gingen, dass er vom Kaiser Maximilian I. mit der Reichsacht und vom Papst Alexander VI. mit dem Kirchenbann belegt wurde.

Was war der Auslöser für derlei Scharmützel? Der Berwartstein gehörte ursprünglich zeitweise dem Benediktinerkloster Weißenburg, dessen Abt sich mächtig aufregte, als die Burg vom Kurfürsten seinem Einfluss entzogen wurde. Als Abt Heinrich auf sein Eigentumsrecht pochte, entzündete sich im Wasgau ein Kleinkrieg zwischen dem Kloster und Trotha, der zur „Wasserfehde“ führte: Der Burgherr staute kurzerhand die nach Weißenburg fließende Lauter und schnitt die Weißenburger vom Wasser ab. Und als der Krach weiterging, riss er den Damm ein und sorgte im acht Kilometer fernen Weißenburg für eine mächtige Überschwemmung.

Die Burg Berwartstein - Kurfürstensuite

Die Fehde endete erst mit dem Tod von „Hans Trapp“ am 26. Oktober 1503. Wenige Jahre später wurden formell Reichsacht und Kirchenbann wieder aufgehoben – der wilde Hans Trapp wurde allmählich zur Legende. Seine sterblichen Überreste ruhen in der St. Anna-Kapelle bei Niederschlettenbach. Was von ihm blieb, sind die mächtigen Befestigungen des Berwartstein und das Vorwerk „Klein-Frankreich“, das Trotha 1484 in 370 Metern Luftlinie südlich seiner Hauptburg anlegen ließ – mit einem Durchmesser von 15 Metern und sechs Meter dicken Mauern.

(Rolf Sperber)

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